Liebe Freunde des Flugsports,

wer das Fliegen aus der Perspektive der Fünfzigerjahre betrachtet, wird feststellen, dass nach fünfzig Jahren unser Sport kaum mehr wieder zu erkennen ist. Während damals noch experimentiert und neues Fluggerät selbst gebaut und erprobt wurde, wird der Luftraum heute mit High-Tech erobert.

Nach mehreren Jahren arbeitsintensivem Eigenbau des ersten Flugzeugs musste oft nach nur wenigen Starts wieder ein Bauwochenende in der Werkstatt abgehalten werden, um die entstandenen Schäden zu beheben. Heute jedoch genügt etwas mehr als eine viertel Stunde um ein Flugzeug startbereit zu machen und den weiteren Tag die Welt von oben zu betrachten. Wurde zu Beginn des Fliegens die Flugdauer eines jeden Starts in Minuten gemessen sind heute Flugdistanzen über viele Stunden und hunderte Kilometer keine Seltenheit mehr.

In kaum einer Sportart ging die Entwicklung so rasant, wie es in der Luftfahrt der Fall ist. Im Zeitraffer wollen wir die Entwicklung unseres Luftsportvereins darstellen und die Geschichte von Holz- zum Glasfaserflugzeugen zeigen.

(Auszug aus “50 Jahre – Fliegen über der Rüblinger Heide)


1953
Der Doppelraab war das erste Flugzeug des Vereins. Er wurde in mehr als 1500 Arbeitsstunden selbst gebaut und konnte, da zweisitzig, sofort für die Ausbildung verwendet werden. Zum Jahresende 1957 waren bereits 560 Starts mit über 35 Flugstunden absolviert sowie erste B- und C-Prüfungen abgelegt worden.


1958
Durch den Kauf des Grunau Baby II b von der Fliegergruppe Donauwörth stand den Mitgliedern des Flugsportvereins ab August 1958 ein neuwertiges und bewährtes Übungsflugzeug zur Verfügung.

 


1963
Die ersten Jahre des Flugsportvereins waren geprägt vom mühevollen Aufbau des Flugzeugparks und der nötigen Infrastruktur. Dazu gehörte neben dem Bau der Flugzeuge auch eine Schleppwinde und ein Rückholfahrzeug (Lepo). Die Mitgliederzahl stieg rasch von den anfänglichen 27 Vereinsgründern auf über 70 Mitglieder im Jahr 1963.

Im Jahre 1963 fand die Grundsteinlegung für die heutige Flugzeughalle statt. Es folgten weitere arbeitsreiche Jahre mit dem Anbau der Werkstatt und dem Fliegerheim, das 1966 eingeweiht werden konnte. Auch die Erschließung mit Strom und Wasser vom Rüblinger Hof erfolgte in Eigenleistung. Trotzdem blieb noch Zeit für den Bau der Doppeltrommelwinde! Nachdem der Gesetzgeber den Flugfunk vorgeschrieben hatte, wurden die Flugzeuge des Vereins im Jahre 1972 mit Funkgeräten ausgestattet.


1967
Der Spatz war für die damaligen Verhältnisse ein leistungsfähiges Flugzeug für den Vereinspiloten, würde aber schon im Jahre 1967 von der SF26, einem Hochleistungssegler, deutlich überboten.

Mit der Röhnlerche (Ka4), dem zu der Zeit verbreitetsten Schulungssegler, begannen viele Fliegerkarrieren aus Gerstetten. Sogar heute noch kommt die Ka4 regelmäßig zu Oldtimertreffen in die Luft und bietet einen Ausflug in die Vergangenheit.


Bau der Halle und des Vereinsheims
Die Arbeiten an der Halle wurden mit großem Elan vorangetrieben. Bei der verhältnismäßig kleinen Zahl von Flugsportlern war die physische und finanzielle Belastung allerdings sehr hoch. Schon damals leisteten die Altpapiersammlungen hier unersetzliche Hilfe.  Aber auch viele Gerstetter Firmen unterstützten die Flieger in großzügiger Weise. So konnte das Hallentor noch rechtzeitig vor dem Winter 1963 geschlossen werden.

Wie hoch der Einsatz der Mitglieder wirklich war, lässt sich am Flugbetrieb dieser Jahre ermessen. Die Startzahlen sanken auf 350 im Jahre 1963 und 291 Starts an nur zwanzig Flugtagen im Jahre 1964.

Bis dann das Dach auf dem Erweiterungsbau, der neben dem 80 qm großen Fliegerheim auch eine Werkstatt und Sanitäranlagen enthielt, aufgebracht war, begann bereits die Flugsaison 1966.

Mit den nach und nach angeschafften Flugzeugen, insbesondere Motorsegler und den Leistungssegelflugzeugen, musste die Halle erweitert werden. Durch erneuten Einsatz aller Vereinskräfte und moderner Technik gelang dies in Rekordzeit (Oktober 1983 bis Mai 1984).


1970
Schon bald wurde die ASK 13 als Schulungsflugzeug eingesetzt und nahm schließlich ganz den Platz der Röhnlerche ein.


1973
Die B4, eine kunstflugtaugliche Ganzmetall-Konstruktion der Pilatus Flugzeugwerke aus der Schweiz, blieb lange Zeit der beliebteste Übungssegler im Verein.


1978
Die siebziger Jahre eröffneten den Piloten des FSV die Welt des Streckensegelflugs. Die Beschaffung moderner Kunststoffsegelflugzeuge für den Vereinsbetrieb war mutig und richtungsweisend zugleich. 1978 fiel mit dem Kauf einer 150 PS Morane der Startschuss für den Motorflug. Drei Jahre später besaß der Verein auch seinen ersten Motorsegler, ein Falke SF25, auf dem auch geschult werden konnte.


1979
Innerhalb weniger Jahre entwickelten sich die Leistungssegelflugzeuge aus Faserverbundkunststoffen zu wahren Rennmaschinen wie der ASW 20 mit Laminarprofil und Wölbklappen. Der Flugsportverein profitierte von diesen Flugzeugen mit der Libelle von Anfang an.

Derart gefördert entwickelten sich aus den Reihen der Gerstettener Flieger immer wieder begeisterte Überlandflieger und Wettbewerbspiloten, die heute oft weit über 600 km von Gerstetten aus mit dem Segelflugzeug zurücklegen.


Die Schleppwinden des Vereins
Im August 1957 erstand man einen alten Ford als Schrottfahrzeug. Bis zur Genehmigung für den Umbau zur Schleppwinde waren allerdings etliche Hürden zu überwinden. Die eigentliche Winde wurde nach den damals üblichen Normen konstruiert und in den verstärkten PKW eingebaut. Dies war ein neuer Weg im Windenbau, denn bei den anderen Fluggruppen war die Winde auf einem Zweiradanhänger montiert. Ein Jahr später wurde die Winde auf den Namen “Alb-Blitz” getauft.

Wegen des immer größer werdenden Flugzeugparks beschloss man den Bau einer Doppeltrommelwinde, die zudem wirtschaftlicher betrieben werden konnte. Sie wurde 1969 in Betrieb genommen und hielt bis Ende der neunziger Jahre zuverlässig durch. Ein kleiner Kreis von Mitgliedern, die schon beim Bau der ersten Doppeltrommelwinde mit dabei waren, machte sich an den Bau der heutigen Gerstetter Winde. Sie entstand mit großer Unterstützung in der Instandsetzungshalle der Fa. Kolb in Dettingen, in etwas mehr als zweijähriger Bauzeit. Die Winde besitzt nur einen Motor mit dem gefahren und geschleppt wird. Dieser ist aber mit mehr als 260 PS für die Anforderungen heutiger Kunststoffdoppelsitzer bestens gerüstet.


1986
Mit einer Cessna 172 entwickelte sich der Motorflug in Gerstetten weiter. Sie ermöglichte den Motorfliegern Reiseflüge weit über die Landesgrenze hinaus.

Der Motorsegler war für eine große Zahl von Piloten nicht mehr weg zu denken. Mit dem Kauf eines neuen Falken C 2000, dem besser motorisierten Nachfolgemodell, blieb diese Flugsparte bis heute attraktiv.


1994
Der Motorflug stieg mit einer aus der USA überführten, sehr gut instrumentierten  Cessna 182 ebenfalls in die Oberklasse.

Durch den Kauf des Schulungsdoppelsitzers DG 505 wird der Weg mit Kunststoffsegelflugzeugen weitergegangen, die durch ihre Vielseitigkeit neben der Schulung auch für den Strecken- und Kunstflug genutzt werden können.


Alb-Drachenfest auf dem Flugplatz Gerstetten
Das Alb-Drachenfest, das seit 1996 alljährlich unter Mitwirkung des Heidenheimer Albflyer-Teams veranstaltet wird, hat sich inzwischen zum Publikumsmagnete für die ganze Familie entwickelt und ist weit über die Grenzen Gerstetten hinaus bekannt.


2003
Auch im Jubiläumsjahr 2003 fand eine Modernisierung des Flugzeugparks statt. Mit der Super Dimona, einem Reisemotorsegler in Kunststoffbauweise, erfüllt sich für die Mitglieder des Flugsportvereins abermals eine neue Dimension des Fliegens.


Heute
Mit der Neuanschaffung unserer zwei Hochleistungs-Segelflugzeuge DG1001s und LS8-s neo haben wir unseren Flugzeugpark 2018 weiter verbessern können. Als Schulungs-, Kunstflug- und Streckenflugzeug wird die DG1001 viele Flugstunden sammeln und für jedes Erlebnis zu haben sein. Mit dem Potenzial der LS8 neo bieten wir auch für Wettbewerbe das mit am erfolgreichsten geflogene Segelflugzeug in der Standardklasse.

Durch die Entwicklung der Luftfahrt, neuer Flugzeuge und neuer Luftfahrtsparten, können wir auf viele verschiedene Flugzeugmuster zurückblicken, die ihren Einsatz auf der Rüblinger Heide gefunden haben.

Heute besteht unser Flugzeugpark aus 6 Segelflugzeugen, einem Motorsegler und einem Motorflugzeug, womit unseren Mitgliedern alle Möglichkeiten gegeben sind Deutschland und seine Nachbarländer von oben zu erkunden.

2017 haben wir zwei Fluglager auf unserem Flugplatz veranstaltet. Wir waren im Fluglager in Aubenasson (Frankreich), Samedan (Schweiz) und waren auf dem Segelflugwettbewerb Klippeneck  vertreten. Insgesamt sind wir über 62.000 km, gut 890 Stunden im reinen Gleitflug unterwegs gewesen und haben damit die Welt mehr als einmal umrundet (emissionsfrei und rein theoretisch).